Atomausstieg: Ein Dauerthema bekommt neue Brisanz
Die Diskussion um den Atomausstieg hat durch das Reaktorunglück in Japan wieder ungeheuren Auftrieb bekommen. Das Abschalten von Altmeilern, Sicherheitsüberprüfungen und die Perspektive, möglichst zügig ganz auf Strom aus Kernkraft zu verzichten, wurden zum Hauptthema in Politik, Bevölkerung und Industrie.
Was den Atomausstieg in Deutschland angeht, scheiden sich die Geister vor allem an der Frage, wodurch die dann fehlenden Kapazitäten ersetzt werden sollen. Erneuerbare Energien, eine Förderung klimaschädlicher Kohlekraftwerke oder der Import von Strom aus anderen Ländern?
Der geplante Atomausstieg und die Laufzeitverlängerung
Der Atomausstieg ist ein Thema, das immer wieder erneut aufgeworfen wird, wenn es zu Pannen und Störfällen kommt, etwa nach dem Unglück von Tschernobyl oder aktuell durch die Ereignisse in Japan. 1999 beschloss die damals rot-grüne Regierung einen Gesetzesentwurf zum Ausstieg aus der Kernenergie, der auch eine Wiederaufbereitung verbot. Das Gesetz trat 2002 in Kraft und besagt, dass keine Atomkraftwerke neu gebaut werden dürfen und die Laufzeit der bestehenden Kraftwerke begrenzt wird. 2010 jedoch wurde von der Koalition aus Union und FDP die Laufzeitverlängerung für deutsche Atomkraftwerke verabschiedet. Durchschnittlich zwölf Jahre länger als zuvor beschlossen sollten die Kraftwerke am Netz bleiben.
Wann ist ein Atomausstieg möglich?
Bis wann, und vor allem wie, ein kompletter Ausstieg aus der Atomkraft in Deutschland möglich ist, darüber streiten Umweltverbände, Politiker und Energiekonzerne. Das deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt etwa hält einen kompletten Ausstieg innerhalb von zehn Jahren für möglich. Auch WWF und Öko-Institut sind der Ansicht, bis 2020 könne auf Kernenergie verzichtet werden, und zwar rein durch den Einsatz erneuerbarer Energien und Gas. Das Fraunhofer-Institut nennt 2025 als Jahreszahl, die Energieagentur kommt zu einer ähnlichen Einschätzung. Die Industrie dagegen hat wirtschaftliche Bedenken und warnt vor einem vorschnellen Atomausstieg.
Für den Atomausstieg wichtig: Der Ausbau erneuerbarer Energien wie Wind- und Solarenergie.
(Foto / Abb.: Simon Kraus / Fotolia.com)
Der Atomausstieg und die erneuerbaren Energien
Erneuerbare Energien hatten 2010 einen Anteil von rund elf Prozent an der Energieversorgung. Ein Problem beim Atomausstieg besteht darin, dass die Erneuerbaren von Jahreszeit und Witterung abhängig sind, es muss jedoch eine konstante Stromversorgung gewährleistet werden. Das bedeutet unter anderem, dass Möglichkeiten gefunden werden müssen, den regenerativ erzeugten Strom möglichst effizient und ohne große Verluste zu speichern. Dazu gibt es bereits Ansätze, die beispielsweise vorsehen, Strom aus Sonnenenergie oder Windkraft mittels chemischer Prozesse in Gas umzuwandeln und im Gasnetz zu speichern. Zwar ginge dabei recht viel Energie verloren, Überschüsse könnten jedoch verwertet werden. Für einen Atomausstieg ist ein rascher Ausbau der regenerativen Energiequellen unerlässlich.
Für den Atomausstieg werden Brückentechnologien benötigt
Ein weiterer wichtiger Faktor beim Atomausstieg sind Brückentechnologien, die helfen, die erneuerbaren Energien zu ergänzen. Noch immer kommt der größte Teil des Stroms im Strommix aus Braun- und Steinkohle; die Verbrennung fossiler Stoffe zur Energiegewinnung wirft aber das Problem der Klimaschädlichkeit auf, da dabei große Mengen Co2 entstehen. Viele befürchten daher, dass diese klimaschädlichen Technologien durch einen Atomausstieg wieder vermehrt gefördert werden. Gas und Kraft-Wärme-Kopplung sind ebenfalls Themen, wenn es um Alternativen zur Kernkraft geht: Beispielsweise erhofft die Gasbranche sich einen Zuwachs, Gaskraftwerke könnten eine Brückentechnologie darstellen. Ebenso im Gespräch ist die dezentrale Stromerzeugung durch kleine Blockheizkraftwerke. Diese können je nach Leistung in Gewerbegebäuden, aber auch in Privathäusern zum Einsatz kommen und könnten zu einem "virtuellen Kraftwerk" vernetzt werden.
Der Atomausstieg wird noch lange ein Thema sein
Nicht vergessen werden darf auch, dass ein Abschalten der Atomkraftwerke nicht mit einem Schlag alle Risiken beseitigt. Es dauert Jahre, bis die Brennelemente abgekühlt sind, danach stellt sich weiterhin die Frage: Wohin mit dem Atommüll? Bisher ist die Endlagerfrage in Deutschland noch immer nicht gelöst. Der Salzstock Gorleben ist seit längerem als mögliches Endlager im Gespräch. Erkundungen zeigten jedoch die Gefahr durch Gase, die eine Instabilität des Salzstocks zur Folge haben können. Aus der Schachtanlage Asse muss der gelagerte Atommüll geborgen werden, weil die Anlage nicht sicher ist und sich Risse gebildet haben. Der Atomausstieg wird uns also noch lange beschäftigen.