Bericht: Atom-Gutachten enthalte "haarsträubende Fehler"
In der Debatte um die Verlängerung der Atomlaufzeiten hat das Bundesumweltministerium laut einem Pressebericht Kritik an jenen Energieszenarien geübt, auf die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ihre Forderung nach längeren Atomlaufzeiten stützt.
Berlin (afp/red) - Eine interne Einschätzung des Ministeriums, die der "Süddeutschen Zeitung" vom Freitag nach eigenen Angaben vorliegt, werfe den Autoren haarsträubende Fehler und Manipulation vor.
Die Kosten, die private Haushalte künftig jährlich für den Klimaschutz zahlen müssten, würden im Gutachten als viel zu hoch angesetzt kritisiert, berichtete die "Süddeutschen Zeitung". Von fast 2000 Euro pro Jahr durch höhere Mieten und steigende Verkehrskosten berichteten die Gutachter; dem Umweltministerium zufolge handele es sich bei den Berechnungen jedoch um Extremfälle, "die offensichtlich bewusst ausgewählt worden sind, um Klimaschutz und Umstrukturierung der Energieversorgung zu diskreditieren".
(Foto / Abb.: Britta Tewes / Pixelio.de)Zudem hätten die Gutachter "trotz anderslautendem Auftrag ausschließlich eine Kostenanalyse durchgeführt", hieß es in dem Bericht weiter. "Sie ignorieren damit den Nutzen einer ambitionierten Klimapolitik und der Entwicklung von zukunftsorientierten Energieversorgungsstrukturen", laute die herbe Kritik aus dem Haus von Ressortchef Norbert Röttgen (CDU). Das Gutachter-Modell treffe aus Sicht der Experten zudem fragwürdige Annahmen zur Strompreisbildung. Daher schnitten Szenarien mit langen Laufzeiten im Gutachten besser ab.
Das Bundesumweltministerium widersprach am Donnerstagabend dem Bericht. "Das Gutachten zählt zu den akzeptierten Grundlagen der politischen Entscheidungsfindung der Bundesregierung und wird von mit nicht angezweifelt", erklärte Röttgen. Das in dem Zeitungsbericht zitierte Papier "ist mit nicht bekannt". "Es ist inhaltlich nicht maßgeblich", erklärte Röttgen weiter.
Die Bundesregierung hatte am Montag das Energiegutachten vorgestellt, in dem drei Institute verschiedene Szenarien für Laufzeitverlängerungen der deutschen Akws von vier, zwölf, 20 und 28 Jahren berechnet hatten. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Umweltminister Röttgen (CDU) hatten daraus aber unterschiedliche Schlussfolgerungen gezogen: Während Brüderle eher für eine Laufzeitverlängerung von bis zu 20 Jahren plädierte, ließ Röttgen seine Präferenz für deutlich kürzere Laufzeiten erkennen.
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