Es war einmal: RWE und Atomkraft (Upd.)
Der zweitgrößte deutsche Energiekonzern RWE wird sich nach der Energiewende in Deutschland auch aus dem internationalen Atomgeschäft zurückziehen. RWE werde keine AKW im Ausland mehr bauen, sagte eine Konzernsprecherin am Montag und bestätigte damit einen Bericht der "Süddeutschen Zeitung".
Essen (AFP/red) - Der Nachfolger des scheidenden RWE-Chefs Jürgen Großmann, Peter Terium, will hingegen stärker ins Geschäft mit der Solarenergie einsteigen. RWE prüfe Investitionen in der Solarbranche, sagte die Sprecherin.
Der Essener Energiekonzern wolle sich international nicht mehr am Bau von Atomkraftwerken beteiligen, weil die finanziellen Risiken für derartige Großprojekte zu groß seien, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Sie berief sich auf Teilnehmer eines Führungstreffens in Istanbul, bei dem Terium am Wochenende seine neue Strategie vorgestellt habe. Erhebliche Verzögerungen beim Bau neuer Kernkraftwerke in Frankreich und Finnland hatten zuletzt gezeigt, wie riskant Investitionen in die Technologie sind. Ende März waren RWE und der Energieriese Eon aus dem Neubau von Kraftwerken in Großbritannien ausgestiegen.
Terium setzt auf die Sonne
Beim Thema Solarenergie durchlaufe RWE eine Phase der Neubewertung, erklärte Terium laut "SZ". So wolle sich RWE künftig auch bei Solarkraftwerken in Deutschland engagieren und sogar ins Geschäft mit Privatkunden einsteigen. Konkret solle es dabei auch um den Bau von Kraftwerken zusammen mit Stadtwerken gehen. Terium übernimmt zum Juli den RWE-Chefposten.
Die Bundesregierung hatte im Sommer 2011 in Folge der Atomkatastrophe von Fukushima den stufenweisen Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen, der die Abschaltung aller Meiler in Deutschland bis zum Jahr 2022 vorsieht. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung soll demnach bis 2020 auf mindestens 35 Prozent steigen, bis 2030 dann auf 50 Prozent.
Der Sprecher der Anti-Atom-Organisation Ausgestrahlt, Jochen Stay, forderte, RWE müsse auch im Inland einen Kurswechsel vollziehen. Die RWE-Akw im bayerischen Grundremmingen und in Lingen/Ems müssten schon jetzt stillgelegt werden, weil es sich um "Risiko-Kraftwerke" handele. Trotz der begrüßenswerten Entscheidung zu Atominvestitionen im Ausland bleibe RWE "einer der größten Atommüll-Produzenten Deutschlands".
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