Im AKW Biblis fallen 165 Stellen weg
Im abgeschalteten Atomkraftwerk Biblis sollen bis Jahresende 165 Stellen gestrichen werden. Der Personalstand reduziert sich damit von derzeit 635 Mitarbeitern auf 470, wie aus einer am Mittwoch veröffentlichten Mitteilung hervorgeht. Streit gibt es weiterhin wegen der geplanten Mauer um das dortige Zwischenlager.
Biblis (dapd/red) - Betriebsbedingte Kündigungen soll es nicht geben, wie eine Sprecherin des Kraftwerksbetreibers RWE auf Anfrage betonte. Rund 50 Mitarbeiter wären demnach durch Verrentung, Altersteilzeit oder neue Beschäftigungen ohnehin in diesem Jahr ausgeschieden. Für die übrigen 120 Betroffenen soll eine sozialverträgliche Lösung gefunden werden, etwa über andere Beschäftigung im Konzern oder Abfindungen.
Form des Rückbaus in Biblis noch unklar
Noch ist unklar, wann und wie das Kraftwerk in Biblis mit seinen zwei Reaktorblöcken zurückgebaut wird. Atomkraftgegner fürchten, der Stromkonzern RWE könne einen sogenannten "Kalten Einschluss" vorbereiten, was bedeute, dass der ungeliebte Kraftwerksbau noch Jahrzehnte in Biblis stehen bleiben könnte. Tatsächlich erklärte der Energiekonzerns RWE als Kraftwerksbetreiber im November, man prüfe, in welcher Form der Rückbau des stillgelegten Atomkraftwerks in Biblis vonstatten gehe.
In Biblis wird noch über viele Jahre sowohl das AKW als auch das Zwischenlager in der Debatte bleiben.
(Foto / Abb.: www.rwe.com)Es gebe mehrere Stilllegungskonzepte, darunter die Möglichkeit eines Rückbaus innerhalb der kommenden Jahre, aber auch den sogenannten Sicheren Einschluss, bei dem zunächst ein Teil der radioaktiven Elemente im Kraftwerk versiegelt werden, hieß es. Für welchen Weg sich der Konzern entscheide, hänge letztendlich von den Lagerungskapazitäten für die radioaktiven Stoffe ab.
Zehn Meter hohe Mauer erhitzt die Gemüter
Weiter diskutiert wird in der Region ein anderes Thema, das mit dem Atomkraftwerk eng verflochten ist: das bis 2046 genehmigte Zwischenlager für radioaktive Abfälle. Dass dort - wie auch an allen anderen deutschen Zwischenlagern - bauliche Veränderungen in Form einer zehn Meter hohen Mauer geplant sind, hat beispielsweise der Landrat des Kreises Bergstraße, Matthias Wilkes (CDU), kritisiert. Sie biete weder Schutz vor Flugzeugabstürzen noch vor Terrorangriffen, sagte er. Das Bauvorhaben bezeichnete er als "weiteren Schritt in Richtung Endlager". Der Kreis lehnt es bislang ab, eine Genehmigung für die Mauer zu erteilen.
Was tatsächlich die Gründe für das geplante Bauvorhaben sind, wird in Südhessen heftig diskutiert. So fragt etwa der SPD-Landtagsabgeordnete von der Bergstraße, Norbert Schmitt: "Wieso wird das Zwischenlager besser gesichert, während die Reaktorgebäude so belassen werden, wie sie sind: "Das ist nicht gerade schlüssig." Das hessische Umweltministerium in Wiesbaden hebt hervor: "Die Errichtung der Mauer als Erweiterung des baulichen Schutzes des Standortzwischenlagers hat ihren Ursprung in einer Forderung des Bundesamtes für Strahlenschutz als Genehmigungsbehörde." Der Kreis - also auch Landrat Wilkes - als Baugenehmigungsbehörde habe keine Zuständigkeit, die atomrechtliche Notwendigkeit in Frage zu stellen.
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