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Mibrag will Tagebau bei Leipzig ausweiten

Die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) plant die Ausweitung ihres Tagebaus Vereinigtes Schleenhain südlich von Leipzig. Im erweiteren Abbaugebiet regte sich Unmut. Greenpeace sprach von "Irrsinn", in In Zeiten des Klimawandels neue Braunkohletagebaue zu planen.

Kieritzsch (dapd/red) - Die vergrößerte Fläche umfasse dabei auch den Ort Kieritzsch, wie ein Sprecher des Oberbergamts Freiberg am Donnerstag sagte. Beantragt worden sei eine Bergbauberechtigung, mit der sich das Unternehmen zunächst die Gewinnungsrechte sichern wolle.

Für einen Abbau der Braunkohle seien weitere Genehmigungen erforderlich, die voraussichtlich erst in 10 bis 15 Jahren nach der Erkundung der 220 Hektar großen Fläche aktuell würden, sagte der Sprecher. Die Gemeinde Kieritzsch habe bis Ende des Monats Zeit für eine Stellungnahme.

Unmut über Verzögerung

Der Kieritzscher Bürgermeister Henry Graichen (CDU) zeigte sich über die Pläne des Braunkohleunternehmens erbost. Er sei vom Bergamt am 11. Februar über das Mibrag-Vorhaben informiert worden und sollte bis 4. März eine Stellungnahme abgeben, sagte Graichen der "Leipziger Volkszeitung". Dabei habe die Mibrag die entsprechenden Anträge bereits vor einem halben Jahr gestellt. "Es ist nicht nachvollziehbar, warum wir erst jetzt informiert werden", sagte Graichen.

Braunkohle;Schleenhain;MIBRAG Blick auf das Abbaugebiet Schleenhain (Foto / Abb.: MIBRAG)

Im Tagebau Vereinigtes Schleenhain fördert die Mibrag Kohle zur Verstromung im Kraftwerk Lippendorf. Zum Abbaugebiet gehört die Ortschaft Heuersdorf, die sich jahrelang gegen ihre Abbaggerung gewehrt hatte - ohne Erfolg. Der Ort existiert nicht mehr. Auch in Sachsen-Anhalt erkundet die Mibrag neue Abbaufelder und stößt auch dort auf mitunter heftigen Protest in der Bevölkerung.

Der energiepolitische Sprecher der Grünen im Landtag, Johannis Lichdi, erklärte, "die Mibrag versucht mit dem Antrag, ein neues Kapitel der traurigen Geschichte der Vertreibung von Menschen durch den Braunkohleabbau zu eröffnen". Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) müsse das Vorhaben stoppen. In den genehmigten Tagebauen Sachsens lagerten Kohlevorräte, die bis zum Jahr 2035 ausreichten.

"Vollkommener Irrsinn"

Die Umwelltorganisation Greenpeace verurteilte das Vorhaben ebenfalls. "In Zeiten des Klimawandels neue Braunkohletagebaue zu planen, ist verantwortungslos und vollkommener Irrsinn", sagte eine Greenpeace-Sprecherin in Hamburg. Bei der Verbrennung von Braunkohle werde etwa dreimal so viel CO2 frei wie bei Erdgas. Statt weiter auf die klimaschädliche Braunkohle zu setzen, müsse die Bundesrepublik sofort mit dem schrittweisen Ausstieg bis zum Jahr 2030 beginnen.

Am Donnerstag sagte Mibrag-Chef Joachim Geisler der Nachrichtenagentur dapd, das Unternehmen plane keine Abbaggerung der Ortschaft Kieritzsch. Zwar habe man einen entsprechenden Bewilligungsantrag beim Oberbergamt in Freiberg gestellt, in den Gesprächen der vergangenen Monate habe das Bergamt aber deutlich gemacht, dass es einer Abbaggerung des Ortes nicht zustimmen werde, sagte Geisler. Er räumte ein, dass die Mibrag Fehler in der Kommunikation gemacht habe. Er fügte hinzu, dass sich das Unternehmen mit dem Antragsverfahren lediglich zunächst Abbaurechte sichere. Ob die Kohle je abgebaut werde, stehe nicht fest.

11.03.2011 | © Stromseite.de

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