Offshore-Branche bemängelt fehlende Netzanschlüsse
Die Beschleunigung der Netzanschlüsse von Windanlagen auf offener See ist nach Expertenansicht einer der wichtigsten Bausteine zum Gelingen der Energiewende. Das ergab eine Umfrage unter den Teilnehmern einer Fachkonferenz auf der Offshore-Messe "Windforce" am Mittwoch in Bremen.
Bremen/Borkum (dapd/red) - Messe-Organisator Ronny Meyer sagte, die Bundesregierung müsse deshalb endlich klären, wer bei einer verspäteten Netzanbindung hafte. Ein Gesetzentwurf sei immer noch nicht vorgelegt worden. Dies sei enttäuschend, sagte der Geschäftsführer der Windenergie-Agentur wab.
"Der größte Showstopper"
Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet, der für die Anschlüsse der Nordsee-Windparks verantwortlich ist, könne nicht allein dafür haften, wenn Leitungen nicht verfügbar seien oder erst verspätet fertiggestellt würden, sagte Meyer. Bis 2020 sollen 2.000 Anlagen in Nord- und Ostsee rund 10.000 Megawatt liefern. Bislang stehen dort erst 50 Anlagen. Meyer sagte, die fehlende Netzanbindung sei zurzeit der "größte Showstopper" in der Offshore-Branche. Das Problem verschärfe sich weiter.
Auf der bundesweit ersten Offshore-Messe "Windforce" präsentieren fast 270 internationale Aussteller noch bis Freitag ihre Produkte und Dienstleistungen für die Stromerzeugung auf hoher See.
(Foto / Abb.: Rebel / Fotolia.com )
Niedersachsens Umweltminister Stefan Birkner (FDP) zeigte sich auf der Messe zuversichtlich, dass der von der Branche erwartete Gesetzentwurf zur Haftungsfrage noch im Juli ins Bundeskabinett komme. "Die Politik ist absolut willens, die Rahmenbedingungen zu schaffen", sagte er auf einer Podiumsdiskussion. Es sei nun wichtig, dass alle Unternehmen auch ihre geplanten Investitionen tätigten.
Trianel rechnet mit Mehrkosten in Millionenhöhe
Unterdessen kündigte der Betreiber Trianel - ein Verbund von Energieversorgern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz - an, seinen Offshore-Windpark 45 Kilometer vor Borkum später als geplant ans Stromnetz anzuschließen. Die kommerzielle Inbetriebnahme müsse wegen der Verzögerungen beim Anschluss durch Tennet auf das zweite Quartal 2013 verschoben werden.
Dadurch entstünden erhebliche Mehrkosten. "Derzeit gehen wir von einer benötigten Nachfinanzierung in Millionenhöhe aus", sagte Geschäftsführer Klaus Horstick. Es werde alles unternommen, um die Mehrkosten den Verursachern in Rechnung zu stellen.
Ursprünglich war die Fertigstellung der ersten Ausbaustufe des Offshore-Parks vor Borkum mit 40 Windkraftanlagen für Ende 2012 geplant. Tennet hatte in der vergangenen Woche mitgeteilt, dass sich der Netzanschluss um vier bis fünf Monate verspätet. Dazu kämen Produktionsengpässe bei einigen Zulieferern, sagte ein Trianel-Sprecher.
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