Tankstellen müssen ihre Preise künftig einer Behörde melden
Eine effektive Maßnahme oder nur ein neues Bürokratiemonster? Künftig müssen Energiekonzerne dem Bundeskartellamt ausführliche Informationen zu ihrer Preispolitik geben. Nun hofft man auf mehr Wettbewerb zwischen den Großen der Branche und kleineren Anbietern.
Berlin (dapd/red) - "Künftig wird das Kartellamt schneller sein, effektiver sein, wenn es darum geht, Preismissbrauch aufzudecken", sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) in Berlin.
Unmut über hohe Benzinpreise
Die Preispolitik der Mineralölkonzerne hatte zuletzt zu wachsendem Unmut bei den deutschen Autofahrern geführt. Rösler betonte, er könne den Ärger der Autofahrer über die Benzinpreisentwicklung verstehen: "Bisher ist der Wettbewerb an den Tankstellen nur sehr unzureichend." Das Kartellamt solle durch die Neuregelung die Möglichkeit erhalten, "bei der Preisfindung im Benzinsektor eine stärkere Kontrolle auszuüben, als das bisher der Fall ist".
Vor allem die hohen Benzinpreise sorgten in der Politik für Aktionismus. Strittig ist nun, ob die neuen Maßnahmen nicht sogar mehr schaden als nutzen.
(Foto / Abb.: ADAC)Ein Sprecher der Wettbewerbsbehörde warnte allerdings im dapd-Gespräch vor zu großen Erwartungen. "Das Bundeskartellamt ist keine Behörde, die auf Knopfdruck Preise senken kann und wird das auch in Zukunft nicht sein." Ziel sei es vor allem, auf Dauer die wettbewerblichen Strukturen zu verbessern.
Hoffnung auf mehr Wettbewerb
Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, sagte im RBB-Inforadio, mit den neuen Daten werde es für die Wettbewerbshüter möglicherweise einfacher, für mehr Wettbewerb zwischen den freien Tankstellen und den großen Konzernen zu sorgen.
Der ADAC begrüßte den Schritt der Bundesregierung. Er gebe dem Bundeskartellamt weitere Möglichkeiten, wettbewerbswidrige Praktiken auf dem Kraftstoffmarkt aufzudecken. Für Benzin mussten die Autofahrer nach Angaben des Automobilclubs im vergangenem Monat so viel wie noch nie bezahlen.
Kritik an "Bürokratiemonster"
Scharfe Kritik am Gesetzentwurf kam allerdings vom Dachverband Mittelständische Energiewirtschaft (MEW). Das Gesetz werde weder die Preise senken noch Preisschwankungen verhindern, sondern belaste nur den Mittelstand mit zusätzlichen Kosten und schwäche ihn so im Wettbewerb gegen die Großen der Branche, sagte MEW-Geschäftsführer Steffen Dagger. Auch der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sprach von einem "Bürokratiemonster", das vor allem die kleinen, freien Tankstellen benachteilige.
Doch soll der Gesetzentwurf nicht nur die Kontrolle der Benzinpreise verschärfen, sondern dem Kartellamt auch mehr Einblick in das Zustandekommen der Großhandelspreise für Strom und Gas geben. Die bestehende Aufsicht reiche nicht aus, um eine unzulässige Einflussnahme der Stromkonzerne auf den Preis wirkungsvoll und schnell aufdecken und sanktionieren zu können, hieß es in Berlin.
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